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Intervalltraining & HIIT

Wissenschaftlich fundiert, sicher und effektiv – von Dr. Nina Berger, Fachärztin für Sportmedizin.

Medizinischer Hinweis: HIIT ist hochintensives Training. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder anderen Vorerkrankungen bitte vor Beginn ärztliche Freigabe einholen. Die Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung.
NB
Dr. Nina Berger Gründerin & Fachärztin für Sportmedizin · Dr. med. (TU München) · 12 Jahre Leistungsphysiologie

Was ist HIIT? – Grundlagen und Physiologie

High-Intensity Interval Training (HIIT) bezeichnet eine Trainingsmethode, bei der kurze Phasen maximaler oder nahezu maximaler Belastung (80–95 % der maximalen Herzfrequenz) mit aktiven oder passiven Erholungsphasen abwechseln. Im Gegensatz zu moderatem Dauerlauf bringt HIIT den Stoffwechsel an seine Grenzen – und das in deutlich kürzerer Zeit.

Physiologisch aktiviert HIIT sowohl das aerobe als auch das anaerobe Energiesystem. Während moderates Training primär Fett verbrennt, zieht HIIT zusätzlich schnelle Muskelzuckungen (Typ-IIa und Typ-IIb-Fasern) in die Arbeit ein, was zu einem überproportional hohen Energieverbrauch führt.

Der EPOC-Effekt: Nachverbrennung nach dem Training

Ein zentrales Argument für HIIT ist der Excess Post-exercise Oxygen Consumption (EPOC)-Effekt, also die erhöhte Sauerstoffaufnahme nach dem Training. Der Körper muss nach intensiver Belastung sogenannte Sauerstoffschulden begleichen: Laktat wird abgebaut, Glykogenspeicher werden wieder aufgefüllt, Körpertemperatur und Hormonspiegel normalisieren sich.

Studien zeigen, dass der EPOC nach HIIT-Einheiten 14–36 Stunden anhalten kann und zusätzliche 6–15 % des Kalorienverbrauchs der eigentlichen Trainingseinheit ausmachen kann (LaForgia et al., 2006; Børsheim & Bahr, 2003). Bei moderatem Ausdauertraining liegt dieser Wert nur bei 2–7 %.

Wissenschaftliche Evidenz für HIIT

Die Forschungslage zu HIIT ist eindeutig positiv. Mehrere Metaanalysen belegen:

HIIT-Protokolle im Überblick

ProtokollBelastungPauseIntensitätGeeignet für
Tabata20 Sek.10 Sek.Maximal (≥170% VO₂max)Fortgeschrittene
4×4-Methode4 Min.3 Min.90–95 % HFmaxAlle Level
10–20–3030/20/10 Sek.2 Min.Moderat bis maximalEinsteiger–Mittel
Sprint-Intervalle30 Sek.4 Min.Maximal (Sprint)Sportler
Little-Methode60 Sek.75 Sek.85–90 % HFmaxEinsteiger

HIIT für Einsteiger: Die Little-Methode

Wer gerade erst mit HIIT beginnt, sollte mit der Little-Methode starten (Jonathan Little, University of British Columbia). Sie bietet ausreichende Erholung und ist dennoch wirksam:

HIIT-Workout zuhause (ohne Geräte)

Dieses Workout folgt dem 10–20–30-Protokoll und benötigt keine Ausrüstung. Führe jede Übung 30 Sekunden ruhig, 20 Sekunden mittel und 10 Sekunden maximal aus, dann 2 Minuten Pause. 3–4 Runden.

1

Jumping Jacks

Koordination, Aufwärmen. 30–10 Sek.-Stufung.

2

Burpees

Ganzkörper, maximale Intensität in 10-Sek.-Phase.

3

Mountain Climbers

Core + Ausdauer. Tempo in 10-Sek.-Phase maximieren.

4

Jump Squats

Beine + Explosivkraft. Weiche Landung beachten.

5

High Knees

Laufen auf der Stelle, Knie bis Hüfte anheben.

6

Push-up Sprints

Liegestütze so schnell wie möglich in 10-Sek.-Phase.

Sicherheit & Kontraindikationen

HIIT ist nicht für jeden geeignet. Folgende Personengruppen sollten vor Beginn unbedingt ärztliche Rücksprache halten:

Meine Empfehlung als Sportmedizinerin

Starten Sie mit 2 HIIT-Einheiten pro Woche, niemals an aufeinanderfolgenden Tagen. Gönnen Sie sich mindestens 48 Stunden Regeneration zwischen den Einheiten. Schmerzen – nicht Muskelkater – sind ein Stoppsignal. Für einen personalisierten Einstiegsplan stehen wir unter [email protected] zur Verfügung.

– Dr. Nina Berger, Fachärztin für Sportmedizin